Reiki-Grade erklärt: Vom ersten Grad bis zum Reiki-Meister

Wenn du dich zum ersten Mal mit einer Reiki-Ausbildung beschäftigst, wirst du wahrscheinlich ziemlich schnell auf unterschiedliche Bezeichnungen stoßen. Reiki 1, Reiki 2, Reiki 3, Meistergrad, Lehrergrad, Shoden, Okuden oder Shinpiden. Und dann gibt es noch Reiki-Lehrer, die sich Shihan oder Shihan Kaku nennen.

Da kann leicht der Eindruck entstehen, man müsse erst einmal eine ganze Reihe von Stufen absolvieren, bevor man Reiki überhaupt richtig anwenden kann.
Ich kann gut nachvollziehen, dass diese Begriffe Fragen aufwerfen. Denn obwohl viele Reiki-Ausbildungen auf die Lehren von Mikao Usui zurückgehen, werden die Ausbildungswege heute unterschiedlich bezeichnet und aufgebaut. Nicht jeder Reiki-Grad bedeutet in jeder Tradition genau dasselbe.
Ich selbst praktiziere und unterrichte Jikiden Reiki. In diesem Beitrag möchte ich deshalb zunächst erklären, was hinter den bekannten Reiki-Graden steckt und wie die Ausbildungsstufen im Jikiden Reiki heißen. Vor allem aber möchte ich eine Frage beantworten, die ich für die Entscheidung vor einer Ausbildung wichtig finde: Was möchtest du mit Reiki eigentlich machen – und welche Ausbildung brauchst du dafür?
Wie viele Reiki-Grade gibt es?
In vielen westlichen Reiki-Schulen ist die Ausbildung in drei Grade unterteilt. Manchmal wird zusätzlich zwischen dem dritten Grad als Meistergrad und einem vierten Grad als Lehrergrad unterschieden. Die genaue Aufteilung hängt von der jeweiligen Reiki-Tradition und Lehrperson ab.
Der erste Reiki-Grad vermittelt üblicherweise die Grundlagen der körperlichen Anwendung bei sich selbst und anderen Menschen. Im zweiten Grad kommen weiterführende Inhalte und Techniken hinzu, wie beispielsweise Fernreiki. Der dritte Grad wird häufig als Meistergrad bezeichnet. Ob damit bereits eine Berechtigung zum Unterrichten verbunden ist, ist von Schule zu Schule unterschiedlich.
Das ist ein Punkt, den ich wichtig finde: Die Zahl auf einem Zertifikat allein sagt noch nicht alles darüber aus, welche Inhalte jemand gelernt hat und ob die Person selbst Reiki unterrichten darf.Wenn du Reiki lernen möchtest, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den jeweiligen Ausbildungsweg.
Was lernt man im ersten Reiki-Grad?
Der erste Reiki-Grad ist in vielen westlichen Systemen der Einstieg in die praktische Anwendung. Dazu gehören unter anderem grundlegende Handpositionen, die Selbstanwendung und die Anwendung bei anderen Menschen.
Im Jikiden Reiki heißt dieses erste Seminar Shoden. Der Begriff lässt sich sinngemäß mit „erste Lehre“ übersetzen. Ich unterrichte Shoden in Hamburg und erlebe, dass Menschen mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen zu diesem Seminar kommen. Manche möchten Reiki vor allem für sich selbst lernen. Andere denken an ihre Familie oder möchten zunächst herausfinden, wie sie Reiki eigenständig anwenden können.
Dafür ist Shoden bereits ein eigenständiger Einstieg. Du musst also nicht automatisch alle weiteren Ausbildungsstufen absolvieren, um Reiki bei dir selbst oder – mit deren Einverständnis – bei anderen Menschen anzuwenden. Was im Jikiden Reiki konkret zum Shoden-Seminar gehört, erkläre ich ausführlich auf meiner Ausbildungsseite. Hier geht es mir zunächst darum, die Begriffe einzuordnen.
Was ist der Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Reiki-Grad?
Der zweite Reiki-Grad baut auf den Grundlagen des ersten auf. In vielen westlichen Reiki-Schulen werden dabei zusätzliche Symbole und Techniken vermittelt. Je nach Tradition spielen beispielsweise Anwendungen über räumliche Distanz oder weitere Formen der Reiki-Praxis eine Rolle.
Im Jikiden Reiki heißt die weiterführende Ausbildungsstufe Okuden, sinngemäß „innere Lehre“. Auch hier werden Inhalte vermittelt, die über die Grundlagen aus Shoden hinausgehen. Dabei würde ich den zweiten Grad nicht einfach als „besseres Reiki“ im Sinne von "weiterentwickeltes, erfahreneres Reiki" verstehen. Er erweitert vielmehr die Inhalte und Möglichkeiten innerhalb des jeweiligen Ausbildungssystems.
Für mich ist das ein wichtiger Unterschied. Wer Reiki für die eigene Selbstfürsorge oder innerhalb der Familie lernen möchte, muss sich nicht schon vor dem ersten Seminar für einen vollständigen Ausbildungsweg entscheiden. Du kannst zunächst Shoden kennenlernen, das Gelernte praktizieren und später überlegen, ob dich Okuden interessiert.
Was ist der dritte Reiki-Grad?
In vielen westlichen Reiki-Systemen wird der dritte Grad als Reiki-Meistergrad bezeichnet. Häufig ist damit eine Vertiefung der bisherigen Praxis verbunden; je nach Schule gehört auch ein sogenanntes Meistersymbol zu den Ausbildungsinhalten.
Allerdings gibt es unterschiedliche Modelle. Manche Reiki-Schulen verbinden Meistergrad und Lehrerausbildung miteinander. Andere unterscheiden zwischen einem Meistergrad, der noch keine Unterrichtsberechtigung beinhaltet, und einer anschließenden Lehrer-Ausbildung.
Deshalb würde ich bei einer Ausbildung nicht allein fragen, ob ich nach dem Seminar „Reiki-Meister“ bin. Mich würde vielmehr interessieren, was dieser Titel innerhalb der betreffenden Schule bedeutet.
Welche Inhalte werden vermittelt? Welche Erfahrungen werden vorausgesetzt? Und darf ich danach tatsächlich selbst Seminare unterrichten? Mit der Bedeutung des Meistertitels und dem Weg zur Reiki-Lehrperson beschäftige ich mich ausführlicher in meinem separaten Beitrag über Reiki-Meister.
Ist Reiki-Meister dasselbe wie Reiki-Lehrer?
Nicht unbedingt. Das ist vermutlich eines der häufigsten Missverständnisse rund um die Reiki-Grade. In manchen Reiki-Systemen sind Meister- und Lehrergrad miteinander verbunden. In anderen gibt es eine ausdrückliche Unterscheidung. Eine Person kann dort den Meistergrad abgeschlossen haben, ohne automatisch zur Ausbildung neuer Schüler berechtigt zu sein.
Im Jikiden Reiki verwenden wir für die Lehrberechtigungen andere Bezeichnungen. Hier steht nicht der westliche Titel „Reiki-Meister“ im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Unterrichtsstufen eine Person nach entsprechender Ausbildung und Autorisierung weitergeben darf.
Ich finde diese Unterscheidung auch für Menschen hilfreich, die einfach eine Reiki-Anwendung buchen möchten. Denn die Qualifikation, Reiki bei anderen Menschen anzuwenden, und die Berechtigung, selbst Seminare zu unterrichten, sind nicht dasselbe.
Welche Ausbildungsstufen gibt es im Jikiden Reiki?
Im Jikiden Reiki unterscheiden wir zwischen den beiden Ausbildungsstufen für die Reiki-Praxis und den darauf aufbauenden Lehrberechtigungen.
Shoden ist der Einstieg und vermittelt die Grundlagen der Selbstanwendung und der Anwendung bei anderen Menschen. Okuden baut darauf auf und erweitert die Praxis um zusätzliche traditionelle Inhalte, beispielsweise zur Arbeit im mentalen Bereich und aus der Ferne.
Wer später selbst Jikiden Reiki unterrichten möchte, kann sich – nach entsprechender Praxis und unter bestimmten Voraussetzungen – für eine Lehrerausbildung qualifizieren. Etwa müssen Jikiden Reiki Assistenzlehrer 120 Behandlungsstunden dokumentieren und entsprechende Supervisionsstunden absolvieren und Verlaufsprotokolle, sowie ihre Motivation Jikiden Reiki zu unterrichten vorlegen.
Die erste Lehrstufe heißt Shihan Kaku. Sie berechtigt dazu, Shoden zu unterrichten. Darauf folgt Shihan, womit die Berechtigung verbunden ist, sowohl Shoden als auch Okuden zu unterrichten. Dai Shihan bezeichnet eine weitere, erfahrene Lehrstufe, die unter anderem zur Ausbildung von Shihan Kaku berechtigt.
Diese Bezeichnungen sind also nicht einfach andere Wörter für den ersten, zweiten und dritten westlichen Reiki-Grad. Sie beschreiben einen eigenen Ausbildungsweg und – bei den Lehrstufen – konkrete Verantwortlichkeiten.
Ich selbst bin als Jikiden Reiki Shihan Kaku ausgebildet und darf deshalb Shoden unterrichten. Meine Ausbildung zur Shihan Kaku habe ich bei Tadao Yamaguchi absolviert.
Warum unterscheiden sich die Reiki-Grade heute?
Reiki entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan. Schon in der japanischen Überlieferung finden sich Bezeichnungen, dass Mikao Usui die Seminare nach Shoden, Okuden und Shinpiden für unterschiedliche Ausbildungsabschnitte gewählt hat. Dabei sind die Lehrpersonen ernannt worden basierend auf ihrem Erfahrungsschatz und Ihrem Voranschreiten in der Reiki-Praxis.
Eine wichtige Rolle bei der späteren Verbreitung von Reiki außerhalb Japans spielte Hawayo Takata. Sie lernte Reiki bei Chujiro Hayashi und unterrichtete später auf Hawaii und in Nordamerika. Von dort verbreitete sich Reiki über weitere Lehrpersonen und entwickelte sich in unterschiedliche Richtungen.
Dabei veränderten sich auch die Art des Unterrichts, die Bezeichnungen und teilweise die Aufteilung der Ausbildungsstufen. In einigen westlichen Schulen entstanden nach Hawayo Takatos Tod etwa die Differenzierung nach Grad 1, Grad 2 Grad 3 und die Betitelung von "Meistern". Zudem entstanden beispielsweise getrennte Meister- und Lehrergrade.
Jikiden Reiki orientiert sich dagegen an der japanischen Überlieferung, die durch Chiyoko Yamaguchi, die auch bei Hayashi gelernt hat und ihren Sohn Tadao Yamaguchi weitergegeben wurde. Deshalb verwende ich die Bezeichnungen und die Ausbildungsstruktur dieser Tradition.
Für mich ist das keine Frage danach, welche Reiki-Schule grundsätzlich die „bessere“ ist. Ich finde vielmehr interessant, dass Menschen heute unterschiedliche Zugänge zu Reiki finden können. Wichtig wäre mir bei einer Ausbildung, dass transparent erklärt wird, welcher Tradition sie folgt und was die jeweiligen Abschlüsse bedeuten.
Wenn dich die Geschichte und die Besonderheiten dieser japanischen Übertragung interessieren, habe ich darüber bereits ausführlicher in meinem Artikel „Was ist Jikiden Reiki?“ geschrieben.
Darf ich mit Reiki Grad 1 andere Menschen behandeln?
Wenn mit „behandeln“ eine Reiki-Anwendung im nichtmedizinischen Sinn gemeint ist, vermitteln viele Reiki-Systeme bereits im ersten Grad die Anwendung bei anderen Menschen. Das gilt auch für Shoden im Jikiden Reiki.
Du kannst nach dem Seminar also nicht nur Reiki bei dir selbst anwenden, sondern die erlernten Handpositionen auch bei anderen Menschen nutzen, sofern diese damit einverstanden sind.
Du darfst Jikiden Reiki ab dann auch im Haupt- oder Nebenerwerb selbständig anwenden.
Brauche ich alle Reiki-Grade, um Reiki selbst anzuwenden?
Nein. Und diesen Gedanken finde ich besonders wichtig, wenn du gerade erst überlegst, Reiki zu lernen. Du musst nicht mit dem Ziel beginnen, irgendwann Reiki-Meister beziehungsweise Reiki-Lehrer zu werden. Vielleicht möchtest du Reiki ausschließlich für dich selbst kennenlernen. Vielleicht möchtest du es innerhalb deiner Familie anwenden oder einfach eine Praxis erlernen, auf die du im Alltag eigenständig zurückgreifen kannst.
Dafür ist im Jikiden Reiki bereits Shoden der passende Einstieg.
Wenn dich später weitere Inhalte interessieren, kannst du dich mit Okuden beschäftigen. Und wenn du irgendwann selbst unterrichten möchtest, beginnt noch einmal ein anderer Ausbildungsweg, bei dem praktische Erfahrung und die Verantwortung für die Wissensvermittlung eine wichtige Rolle spielen. Es muss also nicht von Anfang an feststehen, wohin dich dein Weg mit Reiki führt.
Reiki selbst lernen: Mein Shoden-Seminar in Hamburg
Wenn du Reiki nicht nur bei einer anderen Person erleben, sondern selbst anwenden lernen möchtest, kannst du bei mir mit Jikiden Reiki Shoden beginnen.
Ich unterrichte das Seminar in einer kleinen Gruppe in Hamburg-Barmbek-Nord. Du brauchst keine Vorkenntnisse und musst auch keine beruflichen Pläne mit Reiki verbinden.
Auf meiner Ausbildungsseite findest du die konkreten Seminarinhalte, Informationen zum Ablauf und die nächsten Termine.
Hinweis: Reiki ist keine medizinische, heilkundliche oder psychotherapeutische Behandlung und ersetzt keine entsprechende Diagnostik oder Behandlung.


